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Weimar
Weihnachtsmarkt in Weimar-Weimarer Weihnacht
Vom 24. November bis 22. Dezember 2011 findet die Weimarer Weihnacht auf dem Weimarer Marktplatz am Rathaus
statt. Von Montag bis Donnerstag von 10-19 Uhr und Freitag bis Sonntag 10-20 Uhr erwarten die Stände ihren Besuch. Wobei die Glühweinstände bis 22 Uhr für ihre innere Erwährmung sorgen.
Zauberhafte Möglichkeiten
Als die prächtige Tanne auf dem Marktplatz in hellem Licht erstrahlte, ertönte mit Chorgesang und Blasmusik auch eine alte, immer junge Geschichte ... Ein Christbaum für alle! Ein Meer aus Kerzen und Glasschmuck, ein prächtiger Tannenbaum mit Äpfeln geschmückt, mit Lametta... Ein Lichterbaum.
Ist dieser Traum aus alten Zeiten heute noch wach? Er ist es. In keiner Stadt in Deutschland wüsste man dies wohl besser als hier, in Weimar. Der Traum vom Weihnachtsbaum für alle Kinder (groß und klein, arm oder reich) wurde in Weimar zum ersten Mal verwirklicht. Längst gehört er zum Wissensschatz aller Weimarer. Er erzählt die schöne Geschichte, wie ein freundlicher Buchhändler namens Johann Wilhelm Hoffmann an einem Vorweihnachtsabend im Winter 1815/16 vor seinem Laden einen Christbaum aufstellte; den ersten öffentlichen Weihnachtsbaum für arme Kinder in einer deutschen Stadt. Vor dem Cranachhaus, auf dem Weimarer Marktplatz. Dieses Zeichen der Nächstenliebe ging um die Welt und wurde an unzähligen Orten aufgenommen und nachgeahmt. Und deshalb bleibt es ein ganz besonderer Tag, wenn sich in Weimar der große Wegmachtsbaum auf dem Markt langsam und feierlich in seinem Lichtermeer aufrichtet: Die Adventszeit kündigt sich an und rnit ihr das bunte Treiben zwischen den duftenden Hütten des Weihnachtsmarktes ... vom Theaterplatz bis hinunter zum Markt.
Glänzend wie noch nie nimmt auch dieses Jahr der Baum langsam und feierlich seine Stelle in der Mitte des Marktes ein 1000 helle Kerzen leuchten und rundherum wird gefeiert. Wenn die Chöre dann mit vielen Weimarern zusammen auf dem großen Platz "0 Du Fröhlichex singen, wenn der Weihnachtsmann mit seinem Knecht in der Kutsche langsam vor dem Rathaus zum Stehen kommt, wenn ruhige Blasmusik über dem ganzen Platz erschallt, dann wird sich so manch einer daran erinnern, dass in Weimar nicht nur der erste Weihnachtsbaum stand, sondern dass hier auch der Gedanke der Nächstenliebe und der sozialen Fürsorge wie kaum anderswo mit dem Advent Gedanken verbunden ist. War es doch der Dichter von "0 Du Fröhliche", Johannes Daniel Falk, der mit seiner xGesellschaft der Freunde in der Not" die Botschaft von der Fürsorge für die Bedürftigen in das Land hinein trug. Auch der "Christbaum für alle" übrigens jene Spenden Aktion des Innenstadtvereins und der Weimarer Händler, die die Spur wieder aufnimmt, die einst der Weimarer Pfarrer Alexander Wessel legte: Im Jahre 1924 verteilte er auf den Treppen des Landesmuseums", unter einem leuchtenden Weihnachtsbaum Spenden von begüterten Weimarern. Erst von den Nazis wurde diese wohltätige Aktion verboten Pfarrer Wessel kam ins KZ Buchenwald. Inzwischen aber gibt es den "Christbaum für alle" wieder, als Hilfe für die Bedürftigen.
Mit den alten Geschichten, die Weimars Vorweihnachtszeit in einem so besonderen Licht strahlen lassen, beginnt wieder die schönste Zeit des Jahres. Zahlreiche Händler bieten ihre Waren an und die ganze Innenstadt ist in ein helles Adventslicht getaucht, von der Geleitstraße bis zum Frauenplan auch in der Schützengasse strahlen die Lichtersterne und Kometen. Zudem werden Eisträume wahr, auf dem Platz der Demokratie lädt eine große Eisbahn zum Schlittschuhlaufen ein. Der Ruprecht Express dreht dann wieder seine Kutsch Runden mit den Kindern, am Theaterplatz dreht sich das Riesenrad und in der Schillerstraße erfreut das nostalgische Karussell auch die großen Weihnachtsmarktfreunde. Ab dem 1. Dezember heißt es zudem aufpassen, denn am Rathaus taucht dann die Feuerwehr auf, um mit Kindern, hoch oben auf dem Drehwappen ans Adventsfenster zu klopfen. Denn Weimars Weihnachtsmarkt mit seiner ganz besonderen Geschichte ist wohl auch der kinderfreundlichste Weihnachtsmarkt von ganz Thüringen: Klein und beschaulich, ruhig und lustig und viel Platz zum Feiern und Träumen. Kein Wunder also, dass auch die Musik eine ganz besondere Rolle auf dem Weimarer Weihnachtsmarkt spielt: Von Blues bis zur Klassik wird eine ganz besondere weihnachtliche Klangmischung die Besucher am Theaterplatz aufnehmen und sie bis zum Markt hin fröhlich und feierlich begleiten.
Übrigens: Das Lied "O du fröhliche .." schrieb der Weimarer Sozialpädagoge Johannes Falk und in Weimar konnte man es auch zum ersten Mal hören.
Die Geschichte eines Weimarer Weihnachtsliedes
In vielen Häusern der Stadt Weimar bereitete man sich auf das Christfest vor. Aber dem Ehepaar Falk schien es fast unmöglich, alles für das Fest herzurichten. Am liebsten wären sie still zum Friedhof gegangen wo ihre sechs Kinder ruhten, die innerhalb weniger Wochen einer furchtbaren Seuche zum Opfer gefallen waren. Und doch wartete eine Kinderschar auf ihre Liebe und freute sich auf das Fest. Es galt, diesen Kindern eine neue Heimat zu geben. Das hatten die schwer geprüften Eltern an jenem Abend erkannt, als der erste kleine, völlig zerlumpte Junge mit den Worten an ihrer Tür stand:
"Ich habe solchen Hunger. Meine Eltern sind von den Franzosen totgeschlagen worden. Seit zwei Wochen bin ich auf der Landstrasse".
Da hatten sie sich trotz ihres eigenen Schmerzes des Jungen angenommen. Ihm waren noch viele andere gefolgt, auch der kleine Italiener, der niemanden mehr auf der Welt hatte. Nur einmal war er aus sich herausgegangen, da hatte er ein Lied aus seiner Heimat gesungen. Dann war er wieder verschlossen wie vorher. Die Pflegeeltern gaben sich viel Mühe, den Weg zu der vereinsamten Seele ihres kleinen Schützlings zu finden.
Weihnachten 1806 nahte. Vater Falk stand vor seinen Büchern. Er suchte ein bestimmtes Buch. Da, endlich fand er es, das Buch seines Freundes Gottfried Herder, der Lieder aus allen Teilen der Erde gesammelt hatte. "Stimmen der Völker in Liedern" war der Titel. Eifrig blätterte Vater Frank darin. Dann fand er, wonach er gesucht hatte: eines der schönsten italienischen Volkslieder, ein sizilianisches Fischerlied. Sein Freund hatte es in Sizilien bei den Fischern gehört, die es immer zu singen pflegten, ehe sie ihre Boote bestiegen. Er hatte damals zu ihm gesagt: "Das ist ein Lied, in dem die Seele eines Volkes lebt. Wenn einem doch
solch ein Lied im Leben geschenkt würde!"
Dieses Lied wollte Vater Falk seinen Pflegekindern "schenken", besonders dem kleinen, verschlossenen Pedro. Während von der nahen Stadtkirche die Glocken den letzten Adventssonntag einläuteten, saß in seinem Zimmer ein Mann, dem alle eigenen Kinder genommen worden waren, und schrieb ein Lied für die Kinder, die ihm anvertraut waren. Er, der selbst so viel Leid erfahren hatte, fasste die wunderbare, frohmachende Botschaft der Weihnachtsgeschichte in die Worte:
"0 du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit"
(Diese Geschichte wurde entnommen aus dem Buch "Heut schliesst erwieder auf die Tür" von Dieter und Vreni Theobald, Brunnen Verlag Giessen und Basel)