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Teil 3 des Stadtrundgangs

Weimar > Stadtrundgang


Das Weimarer Rathaus wird 1396 erstmals erwähnt. Es fiel dem großen Stadtbrand von 1424 zum Opfer. Heinrich Hess erhielt den Zuschlag für den dreigeschossigen Neubau und einem gestuften mittleren Turmaufsatz sowie einen Balkonvorbau im Erdgeschoss. 1987 erhielt das Rathaus ein Porzellan-Glockenspiel mit 35 Glocken, deren Melodien zur vollen Stunde zahlreiche Weimarer und Touristen zum Innehalten bewegen. Doch bereits fallen die Blicke auf den Turm der Stadtkirche „St. Peter und Paul“, die die Weimarer gerne Herderkirche nennen. Schließlich war Johann Gottfried Herder von 1776 bis 1803 in ihr als Oberpfarrer tätig. Neben dem Grab Herders beherbergt sie den von Lucas Cranach d.Ä. in seinen letzten Lebensjahr 1552/53 begonnenen und von seinem Sohn vollendeten berühmten Dreiflügelaltar mit dem Thema Sündenfall und Erlösung. Im Altarraum ist seit 1859 der vom Jakobskirchhof, dahin kommen wir noch, überführte Originalgrabstein Lucas Cranachs aufgestellt. Das überlebensgroße Bronzestandbild mit Herder wurde 1850 als erstes der Weimarer Dichterdenkmäler enthüllt.

Bevor wir unsere Reise Richtung Jakobskirche fortsetzen, gestatten wir uns einen kleinen Abstecher ins Kirms-Krackow-Haus, das zu einem der ältesten Häuser der Stadt zählt. Das Haus war Sitz einer angesehenen Beamtenfamilie.
Die Einrichtung des Hauses spiegelt demnach den hohen Stand des Kunsthandwerkes wieder und präsentiert ein eindrucksvolles Zeugnis bürgerlicher Wohnkultur um 1800. Die Jakobskirch, nur wenige Gehminuten entfernt, entstand noch vor der Stadtgründung, 1168 erfolgte die Weihe des ersten Kirchenbaus.
Karl Friedrich Christian Steiner und Clemens Wenzelslaus Coudray führten 1817 eine Restauration des Innern der altehrwürdigen Kirch durch.
Die erste urkundliche Erwähnung Weimars stammt aus dem Jahr 899 als „Vvigmaria“, blieb zunächst über Jahrhunderte ein recht unbedeutender Ort abseits der großen Handelsstraßen. Dies änderte sich erst mit der Erhebung zur Stadt durch die Grafen von Orlamünde im Jahre 1250.

Rathaus Weimar

Der Jakobskirchhof ist der älteste, bis 1818 genutzte Friedhof in Weimar. Hier befinden sich die Gräber von Goethes Frau Christiane, dem Märchendichter Carl August Musäus und Lucas Cranach d.Ä. Doch vor Gräbern möchten wir unseren kleinen Rundgang nicht beenden. Wir laden Sie deshalb ein, noch mit uns die Friedensstraße entlang zu laufen. Ihnen fällt sicherlich das nördlich gelegene Häuserensemble auf, das der Zeit des Nationalsozialismus stammt. Die überdimensionierte, den Proportionen der historischen Stadtstruktur sprengenden Anlage, mussten außer dem Park im Asbachtal auch über hunderte Wohnhäuser weichen.
Die Bauten gruppieren sich um den in seinem Abmessungen von 92 x 165 Meter riesigen Platz. Die vorgesehene Versammlungshalle wurde Mehrzweckhalle und beherbergt nunmehr eine Weimarer Einkaufsgalerie. Beklemmung stellt sich beim Ablaufen der pompösen Gebäude ein. Genau solche Wortlosigkeit wie bei dem Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald (etwa 8 Kilometer von Weimars Innenstadt entfernt), in dem auf dem Ettersberg 56.000 Menschen während des zweiten Weltkrieges ihr Leben ließen. Nach Kriegsende entstand an gleicher Stelle ein Internierungslager. Der Appellplatz, Bunker, Kammergebäude und das Krematorium können besucht werden. Museum und Gedenkstätte stehen gegen das Vergessen. Auch das Denkmal von Fritz Cremer, 1958 fertig gestellt und 2005 restauriert sowie der Glockenturm geben Anlass zum Innehalten.

Stadtschloss Weimar

Nach dem Entlanglaufen der Gebäude in Weimar wird letztendlich das ehemaligen Landesmuseums in der Carl-August-Allee sichtbar. Der repräsentative Neorenaissancebau beherbergt jetzt zeitgenössische Kunst. Doch auch das in Blickachse befindliche Kongresszentrum Neue Weimarhalle bietet neben der mehrmals ausgezeichneten Architektur einen hohen Tagungskomfort für Gäste der Stadt. Wenn die Ausdauer noch reicht, biete ich Ihnen natürlich die Außenansicht des Weimarer Stadtmuseum im historischen Bertuchhaus an. Friedrich Justin Bertuch errichtete um 1780/82 bis 1800 für sich und seine Mitarbeiter in mehreren Etappen dort das Landes-Industrie-Comptoir und das Geographische Institut. 1955 wurde das Bertuchhaus Stadtmuseum, 1990 sowie 1999 erfolgte die bauliche Sanierung und inhaltliche Überarbeitung der Räume. Momentan ringen die Freunde des Stadtmuseums um tragbare Konzepte für eine Wiederöffnung der Räumlichkeiten. Da wären sie wieder, die Probleme um Geld, um Befindlichkeiten und das Bezahlen von Kultur und Kunst. Denn Weimar ist nicht nur ein Park, sondern auch ein großes Museum und besitzt jede Menge Kulturlandschaft, von dem auch das Weimarer Land profitiert. Laufen wir noch gemeinsam Richtung Theaterplatz? Mögen Sie inzwischen unsere Stadt? Interessante Orte voller Geschichte und Gegenwart erreichen Sie nämlich, wie Sie gemerkt haben, gut zu Fuß. Doch Sie brauchen Zeit, um alles zu ergründen. Auch in unserer Aufzählung haben wir nicht alles Wichtige erfassen können. Unser Rundgang ist also keineswegs vollständig. Es fehlen noch mehrere Museen, die es sich zum Ansehen lohnen. Deshalb liegt auch in der Tourist-Information, die Sie auf dem Weimarer Marktplatz herzlich einlädt, kostenlos ein kleiner Museums-Flyer mit den aktuellen und wichtigen Öffnungszeiten aus.

Vielleicht erwägen Sie auch Thematische Führungen, wie auf den Spuren des Goldenen (Periode der deutschen Klassik) oder Silbernen Zeitalters (nachklassisches Weimar), oder möchten den bekannten Bauhäuslers nachgehen, vielleicht eine Radtour entlang der Feininger-Route planen? Genauso große Vielfalt an Informationen wartet auf Sie, wenn Sie die Brücken oder Brunnen der Stadt näher kennen lernen möchten. Wir freuen uns auf Sie, bleiben Sie schön neugierig. Denn Weimar wird nicht an einem Tag erobert, aber Eindrücke bleiben immer. „Der Besuch in Weimar umschlang mich mit schönen Verhältnissen und drängte mich unversehens auf einen glücklichen Lebensgang“. So beschrieb Goethe seine Ankunft im November 1775 in Weimar. Sie dürfen auch Ihre Ankunft beschreiben...etwa 65.000 Einwohner heißen Sie herzlich willkommen.

Text: Kirsten Seyfahrt

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