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Weimar
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Geschichtschronik der Stadt Weimar
In Ehringsdorf, einem Stadtteil im Südosten Weimars, wurde 1925 vollständige Schädelkalotte des Ehringsdorfer Urmenschen gefunden, dessen Alter auf etwa 200.000 bis 250 000 Jahre geschätzt wird. Es handelt sich um die fossilen Überreste einer etwa 20- bis 30-jährigen Frau. Bereits 1908 wurden erste menschliche Schädelknochen entdeckt. Dies ist die erste nachgewiesene Besiedlung auf dem heutigen Stadtgebiet.
Die ältesten Aufzeichnungen über Weimar reichen bis ins Jahr 899 zurück. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrhunderte von „Wimares“ über „Wimari“ zu „Wimar“ und letztlich zu „Weimar“, was aus den altgermanischen Worten wih für heilig bzw. geweiht und dem althochdeutschen mar für See, Sumpf oder Moor abgeleitet wird. Da das Stadtgebiet bekanntermaßen sehr Sumpfig war, kann man von dem Namen "Heiliger Sumpf" ableiten.
Zwischen 946 und 1346 existierte die Grafschaft Weimar (später als Grafschaft Weimar-Orlamünde) als eigenständige politische Einheit. Kaiser Otto II. erwähnte auf einer am 3. Juni 975 für das Kloster Fulda ausgestellten Urkunde die Siedlung Burg Weimar; diese gilt als „Geburtsurkunde der Stadt“, obwohl nicht ganz sicher ist, ob mit „Wimares“ wirklich die heutige Stadt gemeint ist. Es könnte auch der Ort Wechmar gemeint gewesen sein, der sich viel besser in den vermeintlichen Reiseweg Ottos einfügt. Deshalb wurde im Jahre 1975 irrtümlich eine 1000-Jahr Feier in der Stadt ausgerichtet.
Sicher dagegen ist, dass obwohl es sich bei der Burg keineswegs um eine steinerne sondern nur um eine mit Palisaden versehene Wallanlage handelte, sie verhältnismäßig sicher gewesen sein muss. Sowohl die Armee von König Otto III., die 984 den Grafen Wilhelm II. in seiner Burg bedrängten, als auch im Jahre 1002 die Ekkehardiner mussten die Belagerung erfolglos aufgeben. Zerstört wurde sie im Winter 1173/74 durch den Landgrafen Ludwig III. aus dem Hause der Ludowinger, die inzwischen zur Territorialmacht in Thüringen aufgestiegen waren. Allerdings wurde sie schnell wieder aufgebaut, denn im Jahr 1214 fand eine erneute Belagerung der diesmal bereits als Kastell Wimar bezeichneten Ortschaft statt.
Die Siedlung zur dazugehörigen Burg wurde dann 1250 erstmals 1250 erwähnt. Im Jahr 1249 wurde die Stadtkirche fertiggestellt und dem Apostel Peter und dann um 1433 beiden Aposteln Peter und Paul geweiht. Das Patronat der Stadtkirche wurde im September 1284 dem Deutschritterorden übergeben, der die Geistlichen bis zur Reformation stellte. Der Orden, der der Diözese Mainz unterstellt war, verfügte über einen ausgedehnten Grundbesitz um die Stadtkirche herum. Dieser fiel 1525 der Stadt zu. Seit etwa 1307 war der Ritterorden mit dem Schulwesen betraut, mit der Krankenpflege ab 1383 in einem Spital an der Stelle des heutigen Marstalls.
Nach dem Aussterben der Ludowinger im Jahr 1247 konnten sich die Grafen von Weimar-Orlamünde nur schwer gegen die Wettiner halten, die nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg den Großteil Thüringens übernommen hatten. Zuerst verkauften sie Orlamünde an das Haus Wettin und schließlich mussten sie nach der Niederlage im Thüringer Grafenkrieg im Jahre 1365 auch Weimar an die Wettiner abtreten. Ab 1547, nach der Wittenberger Kapitulation und dem damit verbundenen Verlust der bisherigen Hauptstadt Wittenberg, wurde Weimar Hauptsitz der Wettiner.
Erst im Jahr 1410 hatte Weimar das Stadtrecht und damit eine vergleichbare Rechtsstellung erhalten. Großteile der wurden im Jahr 1424 von einem verheerenden Stadtbrand zunichte gemacht. Den Wiederaufbau versuchten die Wettiner durch mehrmaligen Steuererlass, Zinsbefreiungen und Verleihung zusätzlicher Marktrechte zu fördern. Als wichtigste Maßnahme wurden die vorher bereits vorhandenen unbedeutenden Befestigungen der Burganlage auf die ganze Stadt ausgedehnt. Es entstand eine doppelte Stadtmauer in Form eines Doppelringes im Abstand von acht bis zehn Metern mit zehn Türmen und vier zusätzlich befestigten Toranlagen. Reste dieser Stadtbefestigung sind heute noch vorhanden, so unter anderem der Kasseturm am Goetheplatz.
Herzog Johann Friedrich der Großmütige machte Weimar 1552 zur Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar.
Als 1741, als das Herzogtum Sachsen-Eisenach an das Herzogtum Sachsen-Weimar fiel wurde Weimar Hauptstadt des ernestinisches Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und blieb es bis 1918.
Der bekannte Weimarer Zwiebelmarkt fand zum ersten Mal Am 4. Oktober 1653 statt.Er war ursprünglich ein Markt für Obst und Feldfrüchte, der sich heute zu einer volksfestähnlichen Veranstaltung mit über 300 000 Besuchern entwickelt hat.
Eine wichtige Rolle spielte die Stadt als Ort der Weimarer Klassik während der Regentschaft der Herzogin Anna Amalia und unter ihrem Sohn Herzog Carl August Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Anwesenheit Wielands, Goethes, Herders, Schillers und Falks sowie anderer wichtiger Persönlichkeiten dieser Zeit. Carl August war zum einen bereit, an seinem Hof Künstler zu beschäftigen, zum anderen ließ er ihnen aber auch die Freiheiten, das zu verwirklichen, woran sie selbst glaubten. Herzog Carl August galt als tolerant und aufgeklärt; er war 1816 auch der erste Monarch Deutschlands, der seinem Staat eine Verfassung gab.
Unter der Großherzogin Maria Pawlowna und ihrem Sohn Carl Alexander, sowie dessen Frau Sophie erlebte die Stadt auf künstlerischer und kultureller Ebene einen erneuten Aufschwung. So wurde 1842 Franz Liszt zum Kapellmeister berufen; 1848 floh Richard Wagner zu seinem Förderer und späteren Schwiegervater nach Weimar, wo eine fruchtbare Zusammenarbeit in der Uraufführung des Lohengrin gipfelte.Aber nicht nur die Musik wurde gefördert; 1860 gründete Carl Alexander die Weimarer Malerschule, an der Persönlichkeiten wie Arnold Böcklin, Franz Lenbach und Reinhold Begas unterrichteten. Das Andenken an die Weimarer Klassik war ein weiteres Anliegen Carl Alexanders und seiner Frau: Die in seinem Auftrag errichteten Denkmale Goethes, Schillers, Herders und Wielands sind auch heute noch zu besichtigen. 1859/60 wurde das sogenannte "Lesemuseum" auf Maria Pawlownas Kosten für die 1831 gegründete Lesegesellschaft erbaut, deren Anliegen es war, ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit den Zugang zu Zeitschriften zu ermöglichen. Auch nahm die Arbeiterbewegung einen Aufschwung, u.a. auf kulturellem Gebiet mit der Gründung des Freundschafts-Sängerbundes 1885, der durch den Hofchorsänger und Chordirigenten Emil Steiniger seit 1907 zu kultureller Blüte geführt wurde und verschiedene Folgegründungen von Arbeitergesangvereinen im Umland bewirkte.
Auch Carl Alexanders Sohn Wilhelm Ernst verpflichtete sich u. a. der Förderung der Bildenden Kunst; unter seiner Regierung wurde Weimar zu einem Zentrum der Moderne. 1902 erweiterte er die von seinem Vater gegründete Malerschule zur Hochschule, 1905 gründete er die Weimarer Bildhauerschule unter der Leitung von Adolf Brütt. 1907 erfolgte die Gründung der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule, 1904 bis 1911 war die Gesamtplanungs- und Bauzeit der dafür von Henry van de Velde im Jugendstil erbauten Gebäude. 1903 stattete van de Velde das „Nietzsche-Archiv“ in Weimar aus und erbaute 1907-1908 sein eigenes Wohnhaus „Haus Hohe Pappeln“.
1846 erhielt Weimar Anschluss an die Eisenbahnstrecke Halle–Erfurt. Eine weitere wichtige Bahnstrecke wurde die 1876 eröffnete Weimar-Geraer Bahn über Jena nach Gera. 1887 folgten die Weimar-Rastenberger Eisenbahn nach Buttstädt, welche seit 1946 stillgelegt ist. Ebenfalls 1876 wurde die Ilmtalbahn nach Bad Berka eröffnet.
Im Jahre 1919 fand im Deutschen Nationaltheater in Weimar die verfassunggebende Versammlung der Nationalversammlung statt. Basierend auf diesem Ereignis wird die Zeit von 1919 bis 1933 als Weimarer Republik bezeichnet. Weimar wurde Landeshauptstadt des am 01.05.1920 neu gegründeten Landes Thüringen. Ebenfalls 1919 wurde in Weimar auch das Bauhaus gegründet. Im Vorfeld des Dritten Reiches lieferten sich die Kulturschaffenden Weimars regelrechte „Publikationsschlachten“. Insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen der freigeistigen Gruppe um Harry Graf Kessler (aus der das Bauhaus hervorging) und der völkisch-nationalistischen Gruppe um Adolf Bartels (die den geistigen Weg zur Macht Adolf Hitlers bereitete) hielten die Stadt in ständiger Polarität. Dies führte 1925 auch zum Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau.
Politisch entwickelte sich Weimar zwischen den Kriegen zu einem Zentrum konservativer und nationalistischer Strömungen. 1926 hielt die NSDAP ihren zweiten Parteitag nach der Neugründung 1925 in Weimar ab. Auf diesem Parteitag wurde auch offiziell die Hitlerjugend gegründet. Für die Nationalsozialisten war Weimar von doppelter symbolischer Bedeutung: als Gründungsort der verhassten Republik und als Zentrum der großen deutschen Kulturtradition. Hitler selbst besuchte Weimar über 40 Mal. 1939 war die Hälfte aller Erwerbstätigen der Stadt als Beamte in der Verwaltung tätig. Auch als Alterswohnsitz erfreute sich die Stadt zwischen den Weltkriegen großer Beliebtheit.
In der Stadt wuchs die Bevölkerung schnell, von etwa 37.000 Einwohnern im Jahr 1914 auf etwa 50.000 Einwohner im Jahr 1928. Die Weltwirtschaftskrise 1929 bewirkte in angespannter Lage einen deutlichen Rückgang des bis dahin gut entwickelten Tourismus.
Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise 1929 entwickelte sich ein national-konservatives Milieu, von dem vor allem die DVP und die DNVP profitierten. Unterstützt wurde diese Entwicklung von radikalen Strömungen innerhalb der evangelischen Kirche. So war Weimar während der Zeit des Nationalsozialismus eine Hochburg der Deutschen Christen.
Mit den Wahlerfolgen der NSDAP 1929 für den Thüringischen Landtag, auch in Weimar, wurde unter der Baum-Frick-Regierung die NSDAP zum ersten Mal an einer deutschen Landesregierung beteiligt. Zunehmend etablierte sich die NSDAP auch in Weimar und trat schließlich 1932 gemeinsam mit DNVP und DVP zu den Stadtratswahlen an. Im August 1932 übernahm die NSDAP unter dem in Weimar residierenden NSDAP-Gauleiter Fritz Sauckel die Regierung in Thüringen.
Nun begann der dunkelste Teil der Weimarer Stadtgeschichte. Wie überall im Reich setzte mit der Übergabe der Kanzlerschaft an Adolf Hitler die Verfolgung von politischen und humanistischen Gegnern des NS-Regimes ein. Ab dem 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert. Am 21. Juni 1933 fand im heutigen Ortsteil Niedergrunstadt bei der Sonnwendfeier des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes in Nachahmung der „Aktion wider den undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung statt. Zahlreiche Hitlergegner wurden in mehreren Prozessen mit Gefängnis- und Zuchthausstrafen überzogen und in die ersten KZ Nohra und Bad Sulza und später in das KZ Buchenwald verbracht. Dennoch bildeten sich kommunistische und sozialdemokratische Widerstandsgruppen, die Aufklärungs- und Sabotagearbeit leisteten. Auch Geistliche und andere Anhänger der Bekennenden Kirche stellten sich gegen Maßnahmen des NS-Regimes. In Weimar wurden auch Todesurteile gegen Feinde der Nazis vollstreckt oder solche durch den Volksgerichtshof im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Nach dem Novemberpogrom von 1938 verließen zahlreiche jüdische Weimarer die Stadt zur Emigration, und die in der Stadt verbliebenen wurden ab 1942 mit Reichsbahn-Transporten in die östlichen Vernichtungslager deportiert. In der Gestapozentrale Marstall wurden Gefangene grausam gefoltert und getötet. Beim Abzug von SS und Gestapo im April 1945 wurden 149 Gefangene, darunter sieben Frauen, im Webicht ermordet. Nach dem Krieg wurde dort den Opfern ein Gedenkstein errichtet.
Durch die kulturelle Bedeutung Weimars erhielt die Stadt Hitlers besondere Aufmerksamkeit. Eine weitreichende Neugestaltung der Stadt wurde durch den Architekten Hermann Giesler geplant und in Teilen umgesetzt. Der Gauleiter von Thüringen, Fritz Sauckel, ließ dazu einen Teil des Stadtviertels Asbachgrünzug und das Viadukt abreißen, um ein Gauforum zu bauen.
Im Sommer 1937 wurde mit dem Bau des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg begonnen. Von den etwa 250.000 Häftlingen wurden dort bis 1945 mehr als 56.000 ermordet. Am 11. 4. 1945 befreiten die US-amerikanischen Truppen das Lager. Eine Selbstbefreiung durch die Gefangenen gab es nicht. Zwar empfingen die US-Truppen am 8. 4. einen Hilferuf per Funk aus dem Lager, jedoch konnten die Häftlinge erst nach dem Eintreffen der US-Armee die verbliebenen SS-Leute entwaffnen. Nach dem Ende des NS-Regimes wurde Buchenwald noch fünf Jahre als Internierungslager der sowjetischen Militärpolizei genutzt, in dem weitere 7.000 von 28.000 Inhaftierten starben.
Am 5. November 1993 beschlossen die EU-Kulturminister, Weimar für das Jahr 1999 zur „Kulturhauptstadt Europas“ zu ernennen. 1998 wurden das Klassische Weimar, die Entstehung des Bauhauses und der handschriftliche Nachlass von Goethe im Goethe-Schiller-Archiv in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Seit dem 1. Mai 2004 ist Weimar eine Universitätsstadt und beherbergt die Bauhaus- Universität sowie die Hochschule für Musik Franz Liszt. Derzeit studieren über 5500 Studenten in unserer Stadt. Im Jahr 2004 erhielt die Stadt Gold beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf.
Am Abend des 2. September 2004 zerstörte ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 50.000 Bücher. Weitere rund 62.000 Bände sind durch Löschwasser und Brand zum Teil stark beschädigt worden. Dabei gab es erhebliche Verluste von Werken des 16. bis 20. Jahrhunderts. Unmittelbar danach begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau der Bibliothek wie auch zur Rekonstruktion beschädigter, aber nicht völlig verbrannter Werke. Die Wiedereröffnung fand am 24. Oktober 2007, dem 268. Geburtstag der namensgebenden Herzogin Anna Amalia im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler statt.
Quellen: Wikipedia, Eigene Recherchen